Contest 2013

Es ist Samstagmorgen, 6.30 Uhr und der Wecker scheppert seit einer gefühlten Ewigkeit. Ausschlafen? Keine Chance!  Es ist Contest-Samstag und wir müssen um 8.30 Uhr bei der Klang + Ton in Duisburg sein.

Wir, das sind Thomas (tiefton) und ich (zeppi). Auf dem Weg in die Küche begegnet mir Thomas. Sein Gesichtsausdruck spiegelt in etwa das wider, was ich denke: „Wie bescheuert sind wir eigentlich. Es ist Wochenende und wir stehen freiwillig vor dem Wachwerden auf? Kaffee, stark und vor allem viel! Mach‘ hinne!!!!“

Meine Lieblingsbäckereifachverkäuferin schaut mich ebenfalls vollkommen ungläubig an, als ich eine knappe halbe Stunde später bei  ihr im Laden stehe und die Bestellung aufgebe. Eindeutig nicht meine Zeit und nicht meine Brötchen. An ein ruhiges Frühstück ist leider jedoch nicht zu denken, schließlich müssen wir noch Ersan (Faderlezz) am anderen Ende von Duisburg abholen. Also schnell den Kaffee inhaliert, die Brötchen geschmiert und ab nach Duisburg. Gelsenkirchen und Duisburg liegen zum Glück recht nah beieinander.

Pünktlich um fünf vor acht stehen wir vor Ersans Hotel. Nur, wo ist Ersan? Vor dem Hotel kein Ersan, in der Lobby kein Ersan, im Frühstücksraum auch kein Ersan. Der wird doch nicht ohne uns … nein… „Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät …“ am Handy ein verschlafener Contesti, der zwanzig Minuten später sichtlich übernächtigt vor uns steht. Dabei war er gar nicht am Abend zuvor beim Meet-and-Greet bei Marcus mit dabei. Jungvolk! Weitere 15 Minuten später sind wir bei der Klang und Ton – nur fünf Minuten zu spät. Ersan ist Schuld und muss leiden, trotz Welpenschutz.

Auf dem Weg zum Hörraum  begegnet mir Holger, seines Zeichens Chefredakteur der K+T und damit Hausherr und Gastgeber. Auch er wirkt irgendwie ferngesteuert und murmelt etwas von viel zu früh, bekloppt, Kaffee und Teufelsmaschine. Gemeint ist wohl die Großküchenkaffeemaschine des Brieden-Verlags. In mir keimt Hoffnung, den Wachzustand noch zu erlangen. Im Hörraum selbst herrscht für die Uhrzeit in meinen Augen und Ohren eindeutig zu gute Laune. Zudem sind die anwesenden Personen definitiv viel zu motiviert.

Das Zeug, was die scheinbar genommen haben, hätte ich auch gerne. Schnell die Jury, bestehend aus Mat, Marcus, Gino und Christian, gegrüßt und ab ins Kino, Bernd (bee) begrüßen.

Auch er scheint ausgeschlafen und motiviert. Verräter!

Irgendwas mache ich falsch! Vielleicht ist Holger inzwischen mit der Kaffeemaschine weitergekommen und kann mir den Fernsehraum aufschließen, damit ich alles für die Berichterstattung vorbereiten kann. Priorität hat aber der Kaffee. Leider sind andere schneller!

Nach der dritten Tasse bin auch ich dann endlich wach und unter den Lebenden. Es ist kurz nach neun. Die ersten Neu-Contestis sind da. Sie fallen sofort auf. Während die anderen miteinander blödeln und frotzeln,  sind die Neuen aufgeregt, neugierig, nervös und gespannt, was sie erwartet.

Die Jury hat sich inzwischen eingehört, so dass Ollis Monitor-CB den Contest eröffnet. Für mich heißt es jetzt zusammen mit Tom (Gazza) die Wertungen zu dokumentieren, Bilder zu machen und eine Live-Berichterstattung auf die Beine zu stellen. Letzteres wird schwierig, da wir keinen Zugang zum WLAN des Brieden-Verlags bekommen. Einen Internet-Stick hat auch niemand dabei. Olli erklärt sich spontan bereit, sein Handy als Modem zur Verfügung zu stellen. Tom und ich überlegen uns eine Strategie, um mit der eingeschränkten Bandbreite zurecht zu kommen. Auch wenn es in den Vorjahren angenehmer war, funktioniert es. Tom und ich geben unser Bestes, er an der Tastatur, ich am Auslöser.

Olli führt! Nächste Box ist die Compact 28 von Kammerjäger, einem Neu-Contesti. Ein wirklich schöner und schnuckeliger Zweiweger.  Der Kammerjäger ist aufgeregt und läuft nervös vor dem Hörraum auf und ab. Wir versuchen ihn zu beruhigen. Währenddessen schwingt Kollege Ersan im Kino den Lötkolben. Eine seiner Boxen hat einen akustischen Kurzschluss. Wäre ja auch noch schöner! Ein Contest ohne Defekt / Boxenfehler ist kein richtiger Contest. Diesmal hat es halt Ersan erwischt. Scheint irgendwie nicht sein Tag zu sein. Erst verschlafen und dann auch noch eine defekte Box. Wo soll das noch hinführen. Zum Glück haben die Verantwortlichen an alles gedacht, so dass der Fehler schnell beseitigt ist.

Olli konnte seine Führung verteidigen. Mittlerweile ist Alex mit seinen großen gelben Taxen eingetroffen. Routiniert rollt er seine Standboxen in den Flur, während Tieftons „kleiner Harry“ die Jury beschallt. Und zwar so gut, dass er Olli von der Spitze verdrängt. Thomas jubelt. Seine Taktik, nicht als erster an den Start zu gehen, scheint aufzugehen. Olli hat Nehmerqualitäten und steht wie eine Eins.

Die nächste im Bunde, Alex „Big Yellow Taxi“, macht nicht nur ordentlich Alarm, sondern kann auch die Jury überzeugen.  Platz eins.

Tiefon zweiter, Olli dritter, aber  alles total nebensächlich. Viel spannender sind die Kofferräume und das darin lagernde Equipment.

Es wird gefachsimpelt, gelacht, gescherzt, gefrotzelt, gestreichelt und begrapscht. Gegen elf Uhr ploppen die ersten Grolsch-Flaschen und die ClassiMon von Olaf (35i-19) hat es nicht geschafft, das Gelbe Taxi von Platz eins zu verdrängen – ganze 0,03 Notenpunkte fehlten. Olaf, ebenfalls ein Neu-Contesti ist stolz, aber auch ein wenig enttäuscht. So dicht dran!

Besuch aus Potsdam. Miwa hat Frau und Tochter sowie seine Twen ins Auto gepackt um am Contest teilzunehmen.  Die Twen ist sein Erstlingswerk. Entsprechend nervös ist die Familie. Die Jury bescheinigt der Box extremes Potential und gibt dem Entwickler entscheidende Tipps.

Zur Halbzeit liegt Alex weiterhin vorne, dicht gefolgt von Olaf und Thomas. Olli klipst sich sein „Chef-Schild“ an und philosophiert als 1. Vorsitzender der IGDH über die Möglichkeiten einer neuen Bewertungsrichtlinie, die den Startlautsprecher weniger benachteiligt.

In Thomas, dem er gestehen muss, Recht zu haben, findet er einen weiteren Fürsprecher. Wer Olli kennt, weiß, man darf gespannt sein, was er sich zum nächsten Contest ausdenkt und zur Abstimmung stellt.

Zwischenzeitlich wird Michi‘s (Oldie) Versuch, die Spitze zu erobern, von der Jury ausgebremst.  Seine Resörtsch verdrängt den kleinen Harry seiner Münchner Mitfahrgelegenheit vom Treppchen. Ernsthafte Sorgen, nach Hause zu kommen, muss sich Michi allerdings nicht machen, da er zu diesem Zeitpunkt noch im Besitz der Autoschlüssel ist. Ollie begrüßt ihn zudem mit einem deutlichen „Juhu!“ und entsprechendem Gerstensaft. Prost! Letzterer setzt zu diesem Zeitpunkt übrigens an, Kaffee als bevorzugtes Genussmittel auf Platz zwei zu verdrängen. Zeit für die Mittagspause.

Traditionell schafft es der Pizzaservice auch dieses Jahr nicht, alle Pizza-, Nudel- und Salatgerichte zeitgleich, vollständig und richtig anzuliefern. Das Gemurre hält sich jedoch in Grenzen, es scheint somit allen zu schmecken, auch wenn es vielleicht nicht die Wunschpizza ist. Ohne Mampf kein Kampf! Erste Diskussionen über den Einfluss voller Bäuche auf die Raumakustik und die damit einhergehende Boxenwertung machen die Runde. Dämpfen Nudeln besser als Pizza?  Bietet Salat Vorteile im Hochton? Nach Ersans (Faderlezz) Fade 1.2 wissen wir mehr. Mit einem hauchfeinen Vorsprung von 0,02 Notenpunkten verdrängt Ersan Alex von Platz eins.

Die Diskussionen werden intensiver und schärfer. Ist eine im Hörraum vergessende Pizzaschachtel eine Bassfalle? Der Gerstensaftkonsum steigt, die Stimmung wird ausgelassener. Contest is‘!

Die KG. Diva zieht alle Anwesenden in Ihren Bann, Jury inklusive. Designtechnisch ein Schmuckstück, klanglich ebenfalls. Allerdings langt es auf Grund der wieder einmal sehr hohen Qualität des Teilnehmerfeldes nicht ganz fürs Treppchen. Gäbe es einen Design-Preis, hätte ihn die KG.Diva verdient. Gibt es aber nicht! Was zählt is‘ aufm Platz. Und da sind andere nun mal besser.

Den Sieg holt sich am Ende Eismanns „El Final“. Sie knackt als erste und einzige Box an diesem Tag die Schallmauer von 2,00 Notenpunkten – wenn auch nur knapp. Mit 1,99 Notenpunkten hinterlässt die Endgültige ein zufriedenes Grinsen in den Gesichtern der Jury, während man aus Richtung des Fernsehraums ein Schluchzen und Jammern hört.

Tom (Gazza) kann sich nur unter Tränen und mit dem Versprechen, den Pokal im nächsten Jahr zurück zu holen, vom „Goldenen Lautsprecher“ trennen.

Aus seiner Sicht wird getrennt, was zusammengehört.

Zur Sicherheit wird überprüft, ob es sich bei dem „Goldenen Lautsprecher“ auch tatsächlich um das Original handelt und nicht um eine von Tom in Auftrag gegebene Fälschung. Im Anschluß folgen Siegerehrung und Preisverleihung. Neben dem Sonderpreis der Fa. Mundorf, für den Letztplatzierten gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal einen Preis für den jüngsten Teilnehmer von der Fa. Monacor.

Ersans Lächeln, als bisher jüngster Contesti, erstirbt genau in dem Moment als Miwas Tochter selbstbewusst und selbstsicher mit den Worten „Im nächsten Jahr hau‘ ich Dich weg, Papa!“ verkündet, im nächsten Jahr ebenfalls teilnehmen zu wollen. Soll noch einer sagen, Lautsprecherbau sei Männersache. Den Welpenpreis und –schutz ist Ersan aber wohl erst mal los! Olli verspricht spontan als 1. Vorsitzender seine Unterstützung und überreicht symbolisch ein Paar Breitbänder.

Über die Details des gemütlichen Teils der Veranstaltung habe ich versprechen müssen zu schweigen. Fotos waren ebenfalls untersagt. So viel sei aber gesagt: Irgendwann gegen einshalbfünf lagen Thomas und ich wieder in unseren Betten in Gelsenkirchen – Taxi Schatz sei Dank!

Einziger Nachteil: Um 6.30 Uhr sollte wieder der Wecker scheppern … Treffen is‘!

Mehr Bilder vom Contest gibt es übrigens hier