Bewertungskriterien

Uns wurde auch in der Vergangenheit immer mal wieder die Frage gestellt, anhand welcher Kriterien die Jury bewertet. Bisher haben wir die Kriterien unter Verschluss gehalten. Nachdem sich am Samstag abend aber niemand mehr erinnern konnte, warum das so war, haben wir sie vor Ort erklärt. Gleiches geschah für Interessierte auch am Sonntag.

Aber auch den Daheimgebliebenen möchten wir die Infos nicht vorenthalten.

Der Ablauf

Zu Beginn des Tages fand sich die Jury, bestehend aus Christian Gather (ehemals K&T), Harald Meyer (Nordic-Audio) und Marcus Schüler (IGDH) im Hörraum der Klang und Ton ein. Um ein „Vergleichsnormal“ zu haben, wurde die für die Bewertung verwendete Musik einmal auf der Nada durchgehört. Beim Einpegeln der Nada einigte sich die Jury auf eine Abhörlautstärke von 83dB. Auf diese wurde jeder der Contestlautsprecher mit Rosa Rauschen eingepegelt.

Nacheinander wurden die Contestlautsprecher von den Teilnehmern in den Hörraum gebracht und nach ihren Vorstellungen ausgerichtet. Eine Gemeinsamkeit mußten alle Aufstellungen haben: die LS stehen frei im Raum.
Die Umbauphasen wurden von der Jury genutzt, um Frischluft zu bekommen und den Flüssigkeits-, Nikotin- und Zuckerhaushalt auf Vordermann zu bringen.

Bei jedem Lautsprecher kamen die gleichen Stücke und Kriterien und – selbstverständlich – die gleiche übrige Hardware zum Einsatz (Ausnahme hierbei war das einzige Aktivkonzept im Feld: die Männerbox 3.0). Die Bewertungen nahm jedes Jurymitglied für sich allein vor, nach Abschluss des Parcours erhielt jeder Teilnehmer noch ein Feedback zu seinem Lautsprecher und – sofern sinnvoll – Tips zur Verbesserung.

Die drei Bewertungsbögen pro Lautsprecher wurden anschließend von Berd Stein (IGDH) ausgewertet, sodass die Anwesenden das Ergebnis direkt auf einem großen Fernseher betrachten konnten.

Die Kriterien

Auch wenn wir euch die zugehörigen Musikschnipsel nicht zur Verfügung stellen können, möchten wir dennoch die Bewertungskriterien darlegen. Jedes der unten aufgelisteten Kriterien wurde mit den Noten 1-5 bewertet. Zwischenschritte (z.B. 3,5) waren möglich, alle Klangkriterien wurden in der Auswertung gleich gewichtet.

Die Bauchnote: Ein objektiv nicht perfekter Lautsprecher kann trotzdem Spaß machen. Dies wird über die Bauchnote dargestellt. Die Bauchnote geht nicht in die finale Bewertung ein.

Design: Auch ein subjektives Bewertungskriterium. Hier wird die Designidee bewertet.

Fertigung: Die Bewertung der Fertigungsqualität.

Design, wie auch Fertigung, gehen nur minimal in die Endbewertung ein. Eine unterschiedliche Platzierung kann aufgrund von Design und Fertigung nur zustande kommen, wenn die Klangwertungen nahezu identisch sind.

Kommen wir zu den Klangwertungen. Hierzu wurden von Tonfeile einige Musikstücke ausgewählt und auf Profi-Equipment passend geschnitten und gepegelt (Danke Rainer!!!). Zu jedem Musikschnipsel gibt es einen oder mehrere konkrete Beobachtungspunkte. Jeder dieser Punkte wurde separat bewertet:

1. T. Ernie Ford – 16 Tons (Phantommitte)

  • Alles sollte zwar aus der Mitte kommen, trotzdem aber nicht flach wirken. Wenn man sich ein wenig zur Seite bewegt, soll nicht alles zum nächst gelegenen Lautsprecher springen.
  • Die Stimme soll nicht warm und weich klingen, sondern eher nach „Bronze“.

2. George Duke – Money (Grobmotorik)

  • Ziemlich viel Energie im Bass. Wirkt trotz starker Komprimierung dynamisch, punchig.
  • Die Lautsprecher sollten nicht überfordert klingen.
  • Der Bass soll nicht weich und die Stimmen sauber sein.

3. Flügel Joker (Transienten, Timing)

  • Der Anschlag (Transient) darf nicht zerfranst, klingelig, oder schmutzig klingen.

4. Mozart

  • Nach etwa 7 sek gibt es eine tiefbassige Störung. U-Bahn, schwerer LKW fährt vorbei. Soll so klingen, als führe tatsächlich etwas schweres ausserhalb des Hörraumes vorbei.
  • Die Flöte soll nicht vordergründig, oder grell rüberkommen.

5. Talking Horns

  • Alle Bläser müssen gut im Detail (Klappen, Ansatz) durchgezeichnet sein.
  • Grundton und Oberbass dürfen nicht aufgedickt, oder resonant wirken.

6. The Gathering – On most Surfaces

  • Stark verzerrte E-Gitarren mit einer recht sauberen Frauenstimme darüber.
    Trotz des sehr geringen Abstands zwischen Stimme und Gitarrengrund sollte die Stimme noch zu verstehen sein und nicht bei höheren Pegeln rauh werden.

7. Acapella Aufnahme ohne Kunsthall in einem Augsburger Wasserturm

  • Die Sopranstimme klingt sehr offen, darf dabei aber gerade nicht ins Grelle kippen. Die Bassstimme hat bei der Aufnahme ein wenig Unterstützung vom EQ bekommen.

Hinweis: bei einigen Aufnahmen handelt es sich um in dieser Form nicht verfügbare Stücke. Dass diese anhand der oben aufgeführten Titel nicht wiedererkannt werden können ist gewollt.